BMW X1 x-Drive 25d, Range Rover Evoque 2.2 SD, Seitenansicht 19 Bilder Zoom

BMW X1 25d und Range Rover Evoque SD4 im Vergleich: Fahrdynamiker fordert Stilikone

Der BMW X1 macht sich frisch, mit ein paar Äußerlichkeiten und stärkerem Diesel. Damit tritt er gegen den Evoque an, Britanniens Stilikone und Abkömmling der gelände- und landadligen Range Rover-Dynastie.

Die höchste Form der Anerkennung besteht womöglich darin, dass die reine Anwesenheit genügt, um bejubelt zu werden. Bei der traditionell sehr traditionell eingestimmten Firma Land Rover erreichen sie das bisher, indem sie ein Auto so lange bauen, bis es derart veraltet ist, dass man es als klassisch feiern kann. So rumpelt der Land Rover Defender seit 64 Jahren durch die Welt – ein reifer Held, der nun nichts mehr beweisen muss, um geliebt zu werden.

Womöglich waren die Jungs von Land Rover mit der ansatzlosen Begeisterung für den Range Rover Evoque etwas überfordert. Jedenfalls können sie in Halewood gar nicht genügend Evoque bauen. Selbst die Nachricht, Ex-Spice Girl Victoria Beckham gestalte ein Sondermodell des Kompakt-SUV, konnte die Nachfrage nicht wesentlich mindern.
Den Erfolg des Range Rover Evoque haben sie bei BMW mitbekommen, und wenn man von dort lautes Klatschen hörte, war es kein Beifall, sondern eine Watschen mit der flachen Hand auf die Stirn. Für die Entscheidung, Land Rover nicht wie Mini zu behalten, sondern im Jahr 2000 an Ford zu verscherbeln. Inzwischen gehört der Laden bekanntlich Tata, und mit dem Range Rover Evoque hat BMWs X1 statt eines Cousins einen neuen Lieblingsrivalen.

BMW X1-Diesel schiebt mächtig, die Automatik schaltet prächtig

Zeit also beim BMW X1 für eine Modellüberarbeitung. Wobei das ein großes Wort für Änderungen ist, die in umfangreicher lackierten Stoßfängern mit einem dreigeteilten Lufteinlass, neuer Leuchtengrafik und dem Angebot dreier Ausstattungslinien mit größtenteils entbehrlichem Inhalt gipfeln.

Statt uns mit den 18-Zoll-Alus, Blenden und Nierenstäben in Glaciersilber matt zu beschäftigen, glühen wir deshalb den Turbodiesel vor. Die stärkste Version des Zweiliters nennt sich 25d, schafft 14 PS und 50 Nm mehr als im Vorgänger 23d. Wichtiger als der Kraft-/Leistungszuwachs: Er kooperiert jetzt auch hier mit der Achtstufenautomatik. Dass es mitunter dauert, bis sie beim Überholen aus ihrer Gangfülle die richtige Übersetzung herausgekramt hat, bleibt neben dem unpräzisen Wählhebel die einzige kleine Schwäche des brillanten Getriebes. Ansonsten schaltet es so schnell, weich und treffsicher, dass sich jede Flipperei an den Lenkradpaddeln erübrigt.

Gegen die guten Antriebsmanieren des BMW X1 rebelliert nur der Motor. Er schiebt nun noch wuchtiger voran, hat sich den nageligen Grundsound aber erhalten. Auf der Autobahn nestelt zudem der Wind oberhalb des Richttempos nervig an den Fenstern.

BMW X1 ist fahrdynamischer, aber unkomfortabler

Der Eile des BMW könnte der Range Rover Evoque nur hinterherhecheln. Doch das wäre unstatthaft für einen Range und ergäbe wenig Sinn bei 28 PS weniger Leistung, 152 kg mehr Gewicht und der etwas trägeren, weich schaltenden Sechsstufenautomatik. Obwohl ihn das Marketing stetig mit Dynamikwünschen behelligt, lässt der Range Rover Evoque sich davon nicht aus der Ruhe bringen - während der BMW X1 mit seiner fast giftig ansprechenden, sehr präzisen und rückmeldungsintensiven Lenkung über Landstraßen zappelt. Kurven umrundet er neutral, mit wenig Seitenneigung und etwas lockerem Heck, aber immer sicher.

Asphaltierte Grenzbereiche zählen nicht zu den Gegenden, die ein Range Rover Evoque  bevorzugt bereist. Wobei der Evoque etwas schwerfällig, sorgenfrei, unaufgeregt und mit einer unproblematischen Neigung zum Untersteuern um Biegungen kurvt, von seiner weniger präzisen, unhektischen Lenkung geführt. Stört in der Stadt das herbe Abrollen der 19-Zoll-Räder, bietet er nun einen besseren Federungskomfort als der hoppelige BMW X1, der wiederum sensibler abrollt.

Offroad fühlen sich beide unwohl

Geringe Unterschiede auch Offroad. Zwar verschafft sich der Range Rover Evoque mit dem serienmäßigen Terrain-Response-System einen kleinen Vorteil, doch die Elektronik, die Motor, Fahrhilfen und Allrad auf unterschiedliche Untergründe konditioniert, bringt wenig, weil der Range Rover Evoque mit geringer Bodenfreiheit, mäßigem Rampen- und knappem Böschungswinkel schon in sachtem Gelände aufsetzt.

Noch früher scheitert der BMW X1. Sein Verzicht auf Kraxelhilfen ist aber nur konsequent, schubbern doch bereits gröbere Feldwege an seinem Unterboden. Bei der reinen Traktion – etwa auf einseitig rutschigen Steigungen – ist der X1 mit schneller handelndem Allradantrieb mit Lamellenkupplung indes besser. Der Range Rover Evoque übernimmt die Freelander-Technik mit leicht verzögert reagierender Haldex-Kupplung für quer eingebaute Motoren.

Dieses Layout bietet dagegen Vorteile beim Raumangebot gegenüber dem BMW X1 mit seinem längs eingebauten Triebwerk. Die elf Zentimeter mehr Länge und zehn Zentimeter mehr Radstand kann der BMW so nicht in mehr Platz umwandeln. Vorn wie hinten sitzen die Passagiere tief und unbeengt. Nur nach Geländewagen fühlt sich das nie an, eher wie ein etwas hochbockiger Kombi. Im Range Rover Evoque reist es sich wie in einem Range; hoch, bequem und mit besserer Aussicht – zumindest voraus. Dass die massige Mittelkonsole die Breite vorn einschränkt und im Fond der ansteigende Boden stört, sind wie die kompliziertere Bedienung nur kleine Schatten, die der Range Rover Evoque mit Stil überblendet. Edel eingerichtet und solide verarbeitet holt er sich die volle Punktzahl bei der Qualität gegenüber dem noch immer etwas schlicht möblierten BMW X1.

Obwohl der Range Rover Evoque mit höherem Verbrauch, schwächeren Bremsen und höheren Kosten verliert, sollte sich der BMW X1 besser mal an diesen Gegner gewöhnen. Dank dem Defender beträgt die durchschnittliche Bauzeit der aktuellen Land und Range Rover-Palette 16 Jahre. Der Range Rover Evoque bleibt uns so wohl noch ein paar Jubeljahre erhalten.

Sebastian Renz

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

16. August 2012
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