Einsamkeit auf dem Gipfel eines riesigen Sandbergs, rundherum nur Rub al Khali – das Leere Viertel Arabiens. Die Dünen erstrecken sich, so weit das blinzelnde Auge reicht, goldorange leuchtend in der flirrenden Nachmittagssonne. Wir sind mitten in der größten Sandwüste der Welt, größer als Frankreich oder Texas. Das Thermometer zeigt 44 Grad, der heiße Wind bläst Sandgischt über den Boden. Die Luft ist staubig. Überall Sand‚ – im Haar und, knirschend, zwischen den Zähnen… jetzt ein kaltes Bier!
Einst berühmt, heute EinödeVor 1700 Jahren zogen hier Kamelkarawanen entlang – bis zu 2000 Tiere auf einmal, beladen mit wertvoller Fracht für die nördlichen Märkte Mesopotamiens, Ägyptens und Persiens. Mensch und Tier waren guter Dinge, denn in Kürze, bei ihrem nächsten Halt, würde es Wasser geben. Und dieser Halt war das für seine Schätze berühmte Ubar. Heute ist an diesem Ort nur noch Einöde. Am Fuß der Düne sucht ein modernes Wüstenschiff seinen Weg: Ein Range Rover TDV8, die Karosserie hochgepumpt und das Terrain Response im Sand-Modus, tastet nach festem Untergrund – und bleibt doch ein ums andere Mal im Treibsand hängen. Dann heißt es Sandbleche raus und schaufeln – eine unglaubliche Tortur in dieser Gluthölle. Wir folgen den Spuren des Forschers Sir Ranulph Fiennes (Jahrgang 1944) auf der Suche nach der verlorenen Stadt Ubar, die Lawrence von Arabien einst Atlantis der Wüste nannte.
Ubar, so die Legende, war eine märchenhafte Oase, die 2500 vor Christus durch den Handel mit Weihrauch, der praktisch mit Gold aufgewogen wurde, zu unermesslichem Reichtum gekommen ist. Aus Weihrauch gewann man seinerzeit Parfüm und Medizin, auch in religiösen Zeremonien fand er Verwendung. Berühmteste Kundin des Ubar-Weihrauchs war die Königin von Saba. Doch irgendwann zwischen den Jahren 300 und 500 nach Christus, so die Legende, erzürnten Dekadenz und Lasterhaftigkeit der Bewohner Gott derart, dass er Ubar zerstörte. Seitdem galt die Stadt in Dhofar, dem südlichen Oman, als verschollen.
Weihrauch machte Ubar unermesslich reich
Hauptort der Region ist heute Salalah, ein staubiger Küstenflecken, wo Fiennes 1968 als Elitesoldat in der Armee des Sultans von Oman erstmals von Ubar hörte. Von dem Moment an war er infiziert, wie er 1992 in seinem Buch Atlantis of the Sands schrieb: „Ich musste die goldenen Säulen von Ubar finden, egal, wie tief sie unter dem Sand begraben lagen oder wie lange es dauern würde.“ Bei der ersten Expedition in die Rub al Khali mit zwei Land Rover fand Fiennes absolut nichts. Und es sollte 24 Jahre und viele weitere Versuche dauern, bis Fiennes mit Hilfe von Nasa-Satelliten, Hubschraubern und modernen Land Rover Discovery 1992 Ubar in der Gegend von Shis’r entdeckte. Mehr als 13.000 historische Gegenstände konnten ausgegraben werden. Auch der plötzliche Untergang von Ubar ließ sich jetzt erklären: Große Kalksteinhöhlen unter der Stadt waren zusammengebrochen und hatten deren Mauern mitgerissen.
Für unsere viertägige Abenteuertour sind wir mit dem Range Rover TDV8 in Muscat, der Hauptstadt von Oman, zu einem 650-Meilen-Ritt über eine Sand- und Schotterpiste nach Salalah gestartet. Am nächsten Tag gelangen wir zu der alten Hafenstadt Khor Rori, von wo aus seinerzeit die Dhaus, die typischen arabischen Segelboote, mit ihrer kostbaren Weihrauchfracht nach Asien, Afrika und Europa aufbrachen. Dann geht’s nordwärts über das zerklüftete, 1000 Meter hohe Quara-Gebirge nach Thamrait, wo es die letzte Tankmöglichkeit gibt. Richtung Shis’r hört der Asphalt auf, und es geht weiter auf der kaum erkennbaren, unbefestigten alten Weihrauchstraße. Die Landschaft ist flach, und die Luft flimmert in der Hitze. 10 Uhr morgens, 42 Grad Celsius – und das Thermometer steigt weiter. Zum Glück funktioniert die Klimaanlage einwandfrei. Ein paar Grasbüschel, Akazien, Tamarisken und einige kleine hässliche Weihrauchbäumchen haben zwischen den Felsen Wurzeln geschlagen.
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