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Nissan X-Trail 2.0 dCi im Supertest: Geht der Nissan X-Trail baden?

Bei der Neuauflage des erfolgreichen X-Trail hat sich Nissan zum echten Offroad-Anspruch bekannt. Wir nehmen den Hersteller beim Wort und schicken das SUV über unser Supertest-Gelände.

Der Bau von Geländewagen hat eine lange Tradition bei Nissan - exakt 58 Jahre. 1951 beteiligte sich der seinerzeit noch als ­Datsun firmierende Hersteller mit dem 4W60 (Patrol) an einer Ausschreibung der heimischen Streitkräfte - wie übrigens auch Erzrivale Toyota mit dem BJ, der später Land Cruiser hieß. Beide Angebote fanden keine Zustimmung. Die Militärs im Lande entschieden sich damals für den US-Jeep. Dem zivilen ­Erfolg des Patrol tat das in der Folge keinen Abbruch, im Gegenteil.

Der Erbe des Ur-Terrano

Der ­X-Trail ist zwar kein direkter Nachfolger einer der zahlreichen Geländewagen-Baureihen, die dem bis heute produzierten Patrol zur Seite gestellt wurden. Am ehesten könnte man ihn noch als indirekten Erben des bis 1993 gebauten Ur-Terrano betrachten. Ein bisschen Geschichte schrieb jedoch auch der X-Trail: 2001 vorgestellt, avancierte er in kürzester Zeit für Nissan Deutschland zu einem Hauptumsatzträger und kam bei der Kundschaft derart gut an, dass der vor nicht allzu langer Zeit ­eingeführte Nachfolger trotz ­beträchtlichen Längenwachstums konsequent auf die bekannte ­Optik getrimmt wurde. Vom Endprodukt meint der Pressetext selbstbewusst, der neue X-Trail besäße einen „echten Offroad-Anspruch“ und käme auch mit „schwerem Gelände“ problemlos zurecht.

Zum Supertest bestellen wir den X-Trail in der geländetauglichsten Version mit dem neuen Zweiliter-Common-Rail-Diesel in der 150-PS-Ausführung. Das ist die einzige der vier Motorvarianten, die mit einem echten Automatikgetriebe lieferbar ist. Bei einem SUV ohne Untersetzungsgetriebe ist das die beste Möglichkeit, auch schwierigere Sektionen problemfrei und vor allem mit der gebotenen Langsamkeit zu bewältigen.

Onroad verwöhnt der X-Trail mit komfortabler Abstimmung. Sanft wiegende Federn und sehr niedriges Geräuschniveau machen ihn zum Favoriten für weite Touren. Überzeugen kann er als Langstreckenfahrzeug jedoch nicht rundum. Denn der träge ­reagierende Sechsgangautomat zügelt das Temperament spürbar, von der Spritzigkeit des handgeschalteten Bruders mit der 23 PS stärkeren Motorvariante ist er weit entfernt.

Nissan X-Trail neu mit Bergabfahr­kon­trolle


Das Allradsystem des X-Trail ist im Prinzip identisch mit dem des Vorgängers. Eine Mehrscheibenkupplung vor der Hinterachse verteilt automatisch die Kraft nach vorn und hinten, wahlweise kann auch mit reinem Front­antrieb gefahren werden. Neu ­dabei: Nicht mehr nur der Radschlupf lässt die elektronisch ­angesteuerte Kupplung ansprechen, sondern auch allgemeine Parameter wie starkes Gasgeben oder der Lenkeinschlag. Das System arbeitet sehr rasch und unmerklich. Zusätzlich kann man per Drehregler den 4x4-Lock-Modus aktivieren. Er ist bei ­Bedarf bis Tempo 40 km/h aktiv und bewirkt, dass die Kraft starr 50:50 zwischen den Achsen aufgeteilt wird, also wie bei einem manuell sperrbaren Verteilergetriebe-Differential. Diese Einstellung ist übrigens Voraussetzung, um die Bergabfahr­kon­trolle - ebenfalls neu - zuaktivieren.

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X-Trail: Traktionskontrolle ist Serie

Zur serienmäßigen Ausstattung gehört eine elektronische Traktionskontrolle, die über Bremseingriffe bei durchdrehenden Rädern den Vortrieb sicherstellen soll. Im Testgelände angekommen, führt der Weg wie immer zur Bestandsaufnahme auf die Rampe. Da wirkt auf den ersten Blick ­alles aufgeräumt. Beim näheren Hinsehen fallen dann doch etliche Defizite auf – unter anderem an der Führung der Auspuff­an­lage, die wegen des neuen (und sehr praktischen) doppelten Kofferraumladebodens tiefer ­ausfällt als beim Vorgänger.

Ein Manko, das sich gleich bei der zweiten Prüfung in der Verwindungsbahn als echter Problemfall herausstellt. Mittig setzt die Abgasanlage nämlich auf. In dieser Sektion macht noch etwas anderes Schwierigkeiten, und das ganz unerwartet: Trotz der soften Fahrwerkabstimmung, die den Nissan auf der Straße mit teils lustiger, teils bedenklicher Schräglage durch Kurven segeln lässt, gibt sich die Einzelrad­aufhängung im Gelände eher störrisch. Kaum nennenswerte Verschränkung und eine sehr stramme Dämpferabstimmung bringen den X-Trail in der ­Fahrwerkprüfung ziemlich aus dem Tritt.

Wird er dafür die Steigungsbahnen, die zweite 200-Punkte-Disziplin im Supertest, anstandslos meistern? Angesichts der ­vorhandenen Technikhilfen wäre alles andere eine Überraschung. Doch die lässt nicht lange auf sich warten - die Fuhre stockt. Offensichtlich, so die erste Bestandsaufnahme, haben die verschiedenen Steuercomputer des Allradsystems, der Motorsteuerung und der Hilfselektronik in gewissen Situationen erhebliche Verständigungsschwierigkeiten.

Bis zu 450 Millimeter Wattiefe

Ein anderes Kuriosum erleben wir beim Test der Wattiefe. ­Nissan nennt 450 Millimeter als maximales Wasserlevel, entsprechend fluten wir das Testbecken. Zum Supertest gehört, dass der Proband 30 Sekunden mit laufendem Motor in der vorgegebenen Wassertiefe stehen muss - schließlich ist im echten Geländebetrieb kaum ein Betonboden unter einer Furt zu erwarten, oft dagegen langsames Zirkeln über große Bachsteine nötig. Nichts für den X-Trail, wie der Wassereinbruch beweist. Auf Nachfrage nennt Nissan eine zweite, allerdings geringere Wattiefe: 350 Millimeter, bei Geschwindigkeiten unter fünf km/h - die vollen 450 Millimeter sind nur bei flotten zehn km/h vorgesehen. Gewertet wird die Prüfung daher mit beiden Angaben.

Bei den Prüfungen zu Handling und Traktion versöhnt der X-Trail ein wenig und schlägt sich recht wacker, wenngleich nicht überragend. Wirklich gut gelingt ihm dagegen die Trial-Sektion, mit der wir das Fahren im dicht ­bewachsenen Wald simulieren. Da macht es sich dann doch bemerkbar, dass das neue Modell zwar um satte 175 Millimeter in der Länge, aber nur um 20 Millimeter in der Breite zugelegt hat. Dem Einsatz in Wald und Flur steht damit nichts im Wege, das kann er durchaus passabel. Erst recht, wenn die Rückfahrkamera das Umfeld hinter dem schwer einschätzbaren Heck ins rechte Bild rückt.

Ganz manierlich zeigt sich das Antriebssystem im Traktionstest. Im weichen, feinen Küstensand fällt allerdings abermals das Automatikgetriebe auf. Wer eine Tour durch die nordafrikanischen Dünen plant, ist wahrscheinlich  mit dem Schaltgetriebe-Modell besser beraten, wenn es flink vorwärtsgehen soll - und vor allem der Sand nicht all zu tief wird. Denn im letzten Teil des Supertests muss der X-Trail abermals Federn lassen. Der Lockersandhang, so harmlos wie er auf den ersten Blick mit seinen „nur“ 20 Prozent Steigung wirkt, brachte schon so manchen „ernsthaften“ Geländewagen ans Limit. Der Nissan scheitert hier und bewältigt die letzte Sektion nicht. Die Belastung für das Antriebssystem ist nicht zu unterschätzen und entspricht im Anspruch einem tiefen, zähen Schlammloch, das es zu queren gilt. Es ist also keine Schande, hier zu ­versagen, andere taten es vor ihm. Trotzdem: In der aktuellen ­Supertest-Statistik markiert der X-Trail derzeit das Schlusslicht.

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