Seine Fans halten den Mercedes G für den besten Geländewagen. Wir sind diesem Mythos im Supertest nachgegangen und haben die Mercedes G-Klasse auf Herz und Nieren geprüft.
Diese Konstruktion möchte man manchem Geländewagenhersteller zur Schulung empfehlen: das Getriebe sicher zwischen dem Rahmen verstaut, Schutzbleche unter Motor und Tank. Die Dimension des gesamten ÂAntriebsstrangs erinnert fast schon an den eines Lkw. Lediglich die beiden Töpfe der Abgasanlage liegen ein wenig zu exponiert in Schwellernähe - und der G-Auspuff ist alles andere als preisÂgünstig. Die Trittbretter sind mit zahlreichen Schrauben befestigt und lassen sich abnehmen. Das sollte man auch tun, wenn es in schweres Gelände geht - sie schränken den Rampenwinkel spürbar ein. Immerhin bilden sie zumindest einen leichten SchwellerÂschutz. Die sehr kräftigen, an ÂRahmenquerträgern befestigten Schleppösen vorn und hinten Âpacken selbst gewaltsame Bergeaktionen locker. Einzige UngereimtÂheit: Der FührungsÂgummi eines Achs-Stabis war zur Hälfte aus der Passung Âgerutscht. Ein Schönheitsfehler, nichts Gravierendes.
Verschränkung
175Punkte von 200
Angesichts der überaus üppig dimensionierten Achsstabilisatoren verwundert es direkt, wie gut der G dennoch verschränkt. Das erste Drittel der Bahn durchfährt er nahezu aufrecht und ohne jede Mühe, noch nicht Âeinmal die Traktionskontrolle kommt zu Hilfe. Im kernigeren zweiten Teil lässt sich der G Âebenfalls kaum aus der Ruhe Âbringen und murmelt mit leicht Âerhöhtem Standgas in Schrittgeschwindigkeit durch die Wellen. Bei zwei abhebenden Rädern Âmüssen die Mittel- und Hinterachssperre ran - und weiter geht es im gemütlichen Takt. Das Limit setzt allein der Rampenwinkel, Âzusätzlich eingeschränkt durch die Trittbretter. Die Überhänge vorn und hinten dagegen sind optimal.
Fahrwerk
72Punkte von 100
Hier merkt man, dass die Dämpfer des G auf der Straße Ruhe ins Geläuf bringen sollen und entÂsprechend abgestimmt sind: ÂDirekt feinfühlig reagieren sie nicht auf die groben Unebenheiten im Geröllhang. Bemerkbar macht sich das vor allem bei der BergÂabfahrt im gesperrten ersten Gang, bei der mehrfach ein Rad den Kontakt verliert. Das geht im Zweifelsfall zu Lasten der FahrÂsicherheit, weil Âeine Bergabfahrkontrolle fehlt. ÂInsgesamt verÂmittelt das Fahrwerk aber guten Komfort, auch wenn die schweren Starrachsen mächtig in Bewegung kommen. Die Bergauffahrt bringt ähnliches ÂVerhalten. Besonders wenn Âlangsam und behutsam hinaufÂgeklettert wird, dreht kurz mal ein Rad durch. Besser bedient ist man mit aktivierten Sperren, dann geht es auch im Schleichtempo.
Steigfähigkeit
127Punkte von 200
Mit der neuen Siebengang-Automatik hat sich insofern nichts geändert, als dass der G nach wie vor ausgezeichnet für den GeländeÂeinsatz übersetzt. Die einzelnen Fahrstufen lassen sich manuell mit dem Schalthebel sperren, und so kann im ersten Gang/Untersetzung gemütlich bergab gewandert Âwerden. Mit rund 10 km/h schafft der G sogar noch die zweitsteilste Bahn bergab, ohne übermäßig Geschwindigkeit aufzubauen - super für ein Automatikfahrzeug. Eine elektronische Bergabfahrkontrolle ist nicht an Bord. Bergauf gibt es bei der steilsten Bahn verdutzte Gesichter: Die Räder des G Âbeginnen durchzudrehen! Das Âhatten wir hier bislang noch nicht. Erst mit Mittel- und Hinterachssperre gelingt der Gipfelsturm, die ÂTraktionskontrolle bekommt es Âallein nicht in den Griff. Das ÂGleiche beim Anfahren aus dem Stand, wo die Reifen schon in der 5-Prozent-Steigung haltlos zu Ârotieren beginnen.
Handling
65Punkte von 100
Die schwergängige Lenkung Âfordert im Geländeeinsatz den ganzen Mann. Viel geht schon mit dem Gasfuß: Richtung angeben und dann mit schierer Kraft Âquerstellen, und zwar ohne dass das ESP dazwischenfunkt - es lässt sich manuell abschalten. Bei aktivierten Sperren ist es ebenfalls im Off. Richtungswechsel aus Âhohem Tempo heißt allerdings Schluss mit Dynamik: Dann schiebt der schwere G stark Âuntersteuernd stur geradeaus.
Wat-Verhalten
85Punkte von 100
Mit dem werkseitig freigegebenen halben Meter macht sich der Mercedes noch nicht einmal Âseinen Stern nass. Die Wasserlinie liegt direkt in Höhe der Trittbretter wenige Millimeter unterhalb der Türkante - logischerweise dringt dort auch keine Feuchtigkeit ein. Durch die teils nach oben Âgebogene Konstruktion des ÂAuspuffs kann selbst bei ausgeschaltetem Motor Wasser nicht sehr weit in die Abgasanlage Âgelangen. Die Maschine saugt ihre Atemluft beidseitig aus den KotÂflügeln. Durch die Bugwelle sind auch tiefere als die erlaubten Wasserdurchfahrten kein Problem. Mit schönem Gruß an Land Rover und Audi: Mercedes zeigt, dass ScheinÂwerfergehäuse durchaus dicht sein können - sogar die Nebelscheinwerfer blieben trocken.
Übersichtlichkeit
64Punkte von 100
Der G wirkt durchaus groß, ist es aber nicht: 42 Zentimeter kürzer und 22 Zentimeter schmaler als der Q7 aus unserem letzten Supertest - da stehen die Chancen Âeigentlich gut, relativ anstoßfrei durch den Stangenslalom zu Âkommen. Das Problem dabei: der üppige Wendekreis. Bedingt durch die massigen Lenker der StarrÂachsen ist kein so großer Lenkeinschlag möglich wie bei einer Einzelradaufhängung - entsprechend oft muss in dieser Prüfung rangiert werden. Dabei fällt abermals die stark Âgedämpfte Lenkung auf. ÂGenerell ist der G durch die hohe SitzÂposition relativ übersichtlich, auch die Ecken lassen sich gut einschätzen. Einzig das winzige Heckfenster vereitelt den Blick nach schräg hinten. Es wird zudem noch vom Ersatzrad verdunkelt.
Wendigkeit
38Punkte von 50
Gesperrt oder nicht gesperrt? Manuell schalten oder der Automatik vertrauen? Am besten läuft es im Tiefsand mit gesperrtem Verteilergetriebe und Automatik. Dabei ist Gefühl gefragt: Wird zu viel Gas gegeben, beginnt der G, sich mit durchdrehenden Rädern aufzuschaukeln und stark mit den Achsen zu trampeln, bei zu wenig bleibt er schlicht stehen. Über die Richtung sollte man sich von vornherein im Klaren sein: Lenkkorrekturen gelingen in voller Fahrt nur noch ansatzweise, der G strebt unbeirrt geradeaus.
Traktion
85Punkte von 100
Die Traktionsverhältnisse in Âunserem Sandhang sind denen eines tiefen Schlammlochs nicht unähnlich - hier muss sich der G ordentlich ins Zeug legen. ÂAnfahren im Hang führt sofort zum Eingraben, erst mit allen Sperren wühlt er sich langsam und mit Âvoller Power empor. Nach dem Kraftakt schaltet die Elektronik ins Notprogramm, Âreduziert die Leistung - Motor oder Getriebe scheint es zu warm Âgeworden zu sein, obwohl im Info-Display alles im grünen Bereich ist. Auch bei der normalen Durchfahrt geht es längst nicht so souverän, wie man dem G zutrauen möchte. Er benötigt viel Gas, um die Strecke zu bewältigen. An Kraft mangelt es ihm allerdings zu keinem Zeitpunkt, eher im Gegenteil - der Leistungspeak des kräftigen DieselÂmotors setzt spontan, ziemlich heftig und unvermittelt ein.
Supertest - Fazit
752/1000 Punkte
Seine Fans lieben ihn nicht zu Unrecht: Der Mercedes G wirkt, als sei er aus dem Vollen Âgefräst worden. Er fasst sich solide an und ist es auch - die Rost-Exzesse Âfrüher Jahrgänge sind längst kein Thema mehr, und das Chassis scheint für die Ewigkeit gebaut. Trotz des im Laufe der Jahre eingeÂzogenen Luxus bleibt der G dank seiner KonÂstruktion Âeiner der besten GeländeÂkönner. ÂDas Baujahr 2007 glänzt nun mit neuem Motor, Lampen und Cockpit. Einziges wirkliches Manko: Das gewaltige Leergewicht - es treibt den Verbrauch in abenteuerliche Höhen und zwingt öfter als bei anderen Allradlern, die Sperren auch tatsächlich zu benutzen. ÂDen Supertest hat der Mercedes G also klar bestanden.
30 ist er, der G. - und damit der dienstälteste ÂGeländewagen auf dem Markt, zumindest was die seit ProdukÂtionsbeginn unveränderte Karosserieform Âangeht. Dabei war es ein Start mit Hindernissen, den seinerzeit die GFG (GeländeÂfahrzeug-Gesellschaft) verdauen musste: Den erhofften Großauftrag der Bundeswehr ergatterte damals VW mit dem Iltis, und auch eine gewaltige Bestellung aus dem Iran ging in den Wirren der Mullah-Revolution unter. Ab 1979 konnten immerhin ZiviÂlisten den G ordern.
Bis heute wird die G-Klasse mit aktuellen Pkw-Motoren bestückt
Projektiert war der G ursprünglich als ÂNachfolger des legenÂdären Puch ÂHaflinger: Die GFG war ein Joint Venture von ÂDaimler-Benz und dem Grazer Puch-Konzern. Das Lastenheft enthielt neben dem bis heute gleichen technischen Aufbau (Leiterrahmen, zwei Starrachsen an Schraubenfedern) auch die Vorgabe, Âmöglichst viele Teile aus dem Mercedes-Baukasten zu übernehmen, um die Entwicklungskosten gering zu halten. So kamen Teile des Antriebsstrangs vom Transporter T1, die PKW-Motoren Âwurden dem W123 Âentnommen. Die Methode, jeweils die aktuellen Pkw-Motoren für den G zu adaptieren, hat bis heute ÂBestand. Allerdings entwickelte sich aus der ursprünglichen ÂBaureihe 460 ein Brüderpaar: Der 461 ist für Militär und Kommunen auch weiterhin recht spartanisch ausgeführt, die Baureihe 463 hingegen wurde und wird mit allem erdenklichen Luxus ausstaffiert.
Der neue DreiÂliter-Selbstzünder treibt auch ML und GL voran
Die neueste Variante in der fast 30-jährigen Ära ist der G 320 CDI: ausgestattet mit dem Âmodernsten Dieselmotor, den die Schwaben derzeit zu bieten Âhaben. Er treibt auch ML und GL forsch nach vorn. Der DreiÂliter-Selbstzünder ersetzt gleich zwei Motoren: den 270 CDI und den 400 CDI. Und das mit Bravour: 224 PS und 540 Newtonmeter sind nur unweÂsentlich weniger, als der alte V8-Diesel zu bieten hatte. AnÂgeflanscht ist der neue DirektÂeinspritzer an die topaktuelle 7G-Tronic-Automatik. Die Âhatte zwar in den ersten ausgeÂlieferten Modellen noch ein Âwenig Schluckauf, doch inzwischen sind die Abstimmungsschwierigkeiten vollÂständig behoben. Das Getriebe arbeitet mustergültig und lässt sich auch per Handschaltmodus im Gelände einfach bedienen.
Karosserie und Unterboden scheinen für die Ewigkeit gemacht
Ein dickes Lob gibt es für die Karosseriekonstruktion: Massiv, stabil, dauerhaft - Rahmen und Achsen scheinen für die Ewigkeit gemacht. Den G, so legt auch die Inspektion des UnterÂbodens nahe, kann man getrost am Fallschirm aus einem Flugzeug werfen, da verbiegt sich so schnell nichts. Zudem ist der ÂUnterboden geradezu penibel aufgeräumt: lehrbuchmäßiger Aggregateschutz, empfindliche Teile bestmöglich verstaut. Nur die Trittbretter … Wer also wirklich ins Gelände möchte, sollte die Steigeisen besser abschrauben.
Seit dem Produktionsbeginn Âgelten die Achssperren als Âgrößter Geländetrumpf des G. Inzwischen sind sie SerienÂstandard, die alte Zugknopf-ÂBetätigung ist längst modernen Tastschaltern gewichen. Seit ÂEinführung der 463er-Baureihe mit permanentem Allrad gibt es gleich drei Sperren, die der ÂPilot befehligen darf. Und die sind in einem logischen Muster verschaltet: erst VerteilergeÂtriebe, dann Hinterachse und zuletzt die Vorderachse. Eine Fehlbedienung wird so vermieden. Praktisch obendrein: Waren alle Sperren aktiviert, genügt ein Druck auf den Schalter der Verteilergetriebe-Differentialsperre, und alle drei werden wieder entriegelt.
Im Gelände müssen die Achssperren verblüffend oft aktiviert werden
Das so ausführlich zu beschreiben hat seinen guten Grund. Denn der G braucht seine ÂSperren Âöfter, als man vermuten möchte. Zwar ist mittlerweile selbst bei ihm eine elektronische ÂTrakÂtionskontrolle mit BremsenÂeingriff integriert. Und die Âfunktioniert zum Beispiel auf der Verwindungsbahn durchaus befriedigend. Doch dafür muss an anderer Stelle verblüffend oft zu den Sperrenknöpfen Âgegriffen werden. Sogar bei den Steigungsbahnen - und das ist kurios - ist ohne Knopfdruck Schluss mit lustig.
Zur grundsoliden Konstruktion kommt die Fahrwerkabstimmung: Vor allem die kräftig zupackenden Stoßdämpfer und die dicken Stabis sorgen dafür, dass die Seitenneigung bei Straßenfahrt im Rahmen bleibt. Dennoch verschränkt der G außerordentlich gut. Zu bemerken ist diese Sicherheitsabstimmung, mit der besonders bei flotter Straßenfahrt übermäßige Seitenneigung unterbunden werden soll, allerdings bei kurzen, gröberen Unebenheiten, wo der G gelegentlich aus dem Tritt gerät.
Schwergängige Türen sind Markenzeichen des Geländewagen
Fest anpacken darf man auch selbst: Die sehr kraftaufwändige Lenkung lässt den Mercedes unhandlicher Âwirken, als er tatsächlich ist. Und die extrem schwergängigen ÂTüren, schon immer ein Markenzeichen des Mercedes unter den Geländewagen, sind nervig im Offroad-Einsatz, wo öfters aus- und wieder eingestiegen wird. Dafür bleibt die Karosserie allerdings völlig unbeeindruckt von Verwindungen, selbst mit zwei Rädern in der Luft lassen sich Âalle Pforten problemfrei öffnen und schließen.
Durchaus erwähnenswert ist das reibungslose Zusammenspiel der komplett auf elektronischem ÂWege befehligten AntriebsÂtechnik. Der Wechsel zwischen Straßen- und Geländestufe des Verteilergetriebes geht blitzschnell und unhörbar vor sich, die Sperren rasten zuverlässig ein und wieder aus. Keine Selbstverständlichkeit, wie die elektrisch geschalteten AllradÂantriebe anderer Hersteller zeigen. Ebenfalls gut: Bei Aktivierung einer Differentialsperre wird das ABS abgeschaltet - der BlockierÂverhinderer ist im ÂGelände störend, bei Bergabfahrten gefährlich.
Souveräner als mit der G-Klasse lässt es sich kaum durchs Gelände kreuzen
Was den G 320 CDI buchstäblich nach vorn bringt, ist sein bäriges Triebwerk. Der drehmomentgewaltige Sechszylinder schiebt nicht nur grandios an, er klingt auch noch super - Ansauggeräusch und Auspuffblasen ergeben ein furioses Konzert. Dafür werden zwar keine Punkte verteilt, Laune macht es trotzdem. Nicht immer jedoch wünscht man sich die Schubkraft des V-Motors: In extrem unebenen Sektionen und mit Untersetzung ist die Reaktion am Gaspedal zu nervös, und es gibt kleine Bocksprünge. Dass der V6-Motor im schweren G-Modell zudem ziemlich ungehobelte Trinksitten Âentwickelt, ist gerade bei Fernreisen durchaus ein Thema. ÂDennoch: Souveräner als mit diesem Würfel lässt es sich kaum durchs Gelände kreuzen.
Der G mag ja in derPkw-Klasse der beste Geländewagen sein.Aber wer wie ich beruflich in den entlegensten Winkelnl der Welt,wie z.B. Kamschatka oder im Irak unterwegs ist,kann und wird niemals auf den Unimog verzichten wollen.Der Unimog verkörpert deutsche Ingenieurskunst ,die leider heute
längst verlernt oder in Vergessenheit geraten ist.Zuverlässige,alltagstaugliche Mechanik und Robustheit
sind auch heute noch gefragt. Ein"Volksunimog"wäre heute der Renner in den Schwellen-und Entwicklungsländern.Es würde mich nicht wundern wenn ein asiatisher Hersteller diese Marktlücke für sich entdecken würde.