Gebrauchtwagen: Mercedes G-Klasse: Kaufberatung Mercedes G

Jeder Offroad-Fan hat sicher schon von einer eigenen Mercedes G-Klasse geträumt. Doch selbst gebrauchte Modelle kosten horrende Summen. Oder? Wir gehen dem Mythos Mercedes G nach und checken die Gebrauchtwagen-Lage.

Es ist alles eine Frage des Standpunkts: Verbreiten die Meldungen zu Spritpreisen und CO2-Steuer bei vielen Angst und Schrecken, spielt die aktuelle Wirtschaftslage gerade Gebrauchtwagenkäufern direkt in die Karten. Denn durch die geschrumpfte Nachfrage nach alten Geländewagen lässt sich mancher Händler zu unmoralischen Angeboten hinreißen. Das gilt mittlerweile nicht nur für exotische Ladenhüter, sondern auch für richtige Klassiker wie das Mercedes G-Modell – also Autos, die erfahrungsgemäß absolut wertstabil und leicht verkäuflich sind. 

Der Mercedes G hat über 30 Jahre Erfahrung

Die Qualitäten einer G-Klasse müssen hier wohl nicht aufgezählt werden. Starrachsen, Leiterrahmen, drei Differenzialsperren und eine 30-jährige Geschichte sprechen für sich. Doch auch an dem kantigen Mercedes geht die Zeit nicht spurlos vorbei. Interessenten sollten sich darüber im Klaren sein, dass Ersatzteile und Reparaturen am G-Modell extrem teuer sind. Deshalb: den Mercedes vor allem dann, wenn er für weniger als 10.000 Euro angeboten wird, genau ansehen, um keine bösen Überraschungen erleben zu müssen.

Für so manchen mögen die Modellvielfalt und das breite Gebrauchtwagenangebot verwirrend sein, doch ein besonderer Einschnitt ist das Jahr 1989, denn von da an veränderte der G seinen Charakter. Bislang nur mit Zuschaltallrad und starrem Verteilergetriebe ausgestattet, erhielt er jetzt einen permanenten Allrad, luxuriöse Ausstattung und einige optische Veränderungen. Deutlichstes Merkmal ist der Grill in Wagenfarbe mit den aufgesetzten unteren Kotflügel-Ecken. 

Arbeitstier: Die 461er Baureihe

Die sogenannte Baureihe 463 ist im Prinzip mit den heutigen Modellen identisch – abgesehen von vielen modischen und elektronischen Anpassungen und der elektrisch gesteuerten Untersetzung, die seit 2000 die mechanische ersetzt. Achtung, Puristen: Neben den 463er-Versionen lief auch eine spartanisch ausgestattete Variante 461 vom Band, die ohne Permanent-Allrad, Holzteile oder Teppiche weiter den Arbeitstiercharakter unterstreichen sollte.

Ab 2001 wurden die 461er nur noch an Behörden und das Militär ausgeliefert. Entdeckt man auf dem Gebrauchtwagenmarkt also einen G in Flecktarn, handelt es sich um ein solches Modell – bei der Bundeswehr Wolf genannt. Wer sich dafür interessiert, wird eventuell bei dem Verwertungsunternehmen des Bundes (www.vebeg.de) fündig. Hier werden hin und wieder auch neuwertige Fahrzeuge versteigert.

Auf alle anderen Modelle stößt man auf den gängigen Automobilbörsen im Internet. Hier sollte man sich nicht vom hohen Alter abschrecken lassen. Bei guter Pflege und regelmäßigem Service ist eine G-Klasse noch nach 20 Jahren zu gebrauchen. Vorausgesetzt, dauerhafte Geländeeinsätze und ausgedehnte Autobahnhatz blieben dem Wagen erspart. So wurden die schwächeren Motoren der ersten Dekade gern gnadenlos getreten. Und bis Anfang der 90er Jahre gebaute Modelle sind sehr rostanfällig.

Unterschiedlich haltbare Motoren

Den besten Ruf in Sachen Haltbarkeit genießen 300 E, 320, 300 D und 300 TD. Empfindlicher sind 230 E, 240 D und der 350 TD aus den 90er Jahren. Als besonderer Leckerbissen entpuppte sich mit der Zeit das limitierte Sondermodell 500 GE (240 PS) von 1993 – der erste G mit einem V8-Motor. Nur 500 Stück von den edel ausgestatteten Dickschiffen brachte Mercedes für mindestens 178.000 D-Mark an den Mann.

Nach zähen Verhandlungen kann der Fahrzeugbrief eines gepflegten Modells heute schon für etwa 15.000 Euro den Besitzer wechseln. Doch Vorsicht, dieses Auto säuft in jeder Lebenslage – 20 Liter sind da was ganz Normales. Ebenso bei den späteren V8-Benzinern mit 296 PS, die dafür relativ günstig zu haben sind. Die Laufkultur, der bärenstarke Antritt und das V8-Geblubber passen ohnehin ideal zum Auftritt des Klassikers.

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Markus Schönfeld

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