Muldenkipper, Rad 7 Bilder Zoom

Muldenkipper im Fahrbericht: Allrad mal anders

Gas ist rechts. Und auch sonst ist alles am gewohnten Platz. Nur die Erde nicht. Wo ist sie? Sie dreht sich vier Meter weiter unten, und alles sieht so anders aus. Am Steuer eines Muldenkippers verschiebt sich so manche Wahrnehmung.

Fangen wir mit einer Zahl an? Sie hat nichts mit dem Gefühl leicht schwitziger Hände und dem im Hals klopfenden Herzen zu tun, als der Fuß sich 60 Zentimeter hoch auf die erste Stufe der Leiter zum Führerhaus stellt. Aber sie hilft dem Vorstellungsvermögen, sich in den richtigen Dimensionen zu bewegen. Und das ist, worum es geht bei einem Muldenkipper: Dimensionen. Die Zahl? Zwölf. Zwölf PS. Das ist: die Leistung des Anlassers.

Schwarz rußt der 19-Liter-Diesel aus dem Heck der Lademulde - sie wird mit Hilfe des Abgasrohrs beheizt, damit nicht die nasse Ladung im Winter am Stahl festfriert. Minutenlang kommt der Motor auf Temperatur und gurgelt mit seinen 62 Liter Öl. Auf dem Fahrersitz ist nichts zu spüren von Vibrationen, nichts zu hören von Gedröhne. Eigentlich ganz zahm.

Muldenkipper mit über 40 Tonnen Leergewicht

Zwei Handgriffe ändern das. Der erste geht nach vorn rechts zu einem runden, roten Knopf. Ein kurzer, trockener Zug löst die Feststellbremse. Nach hinten geführt fällt die Hand auf den T-Knauf eines kleinen Hebels, der Großes in Gang setzt: der Schaltstock. Bereit? Moment noch! Steht der Fuß auf der Bremse? Gut, dann los. Durchatmen, mit Zeige- und Mittelfinger die Sicherung am Automatikhebel anheben und ihn vor auf D schieben.

Für die Ewigkeit einer halben Sekunde passiert nicht das Geringste, doch dann haut es im Getriebe die Räder zusammen. 40 Tonnen wanken und schwanken hin und her. Als ein Drehmoment zulangt, das sich anfühlt, als könne es die Erde mit dem kleinen Finger in die andere Richtung drehen, macht das Vieh einen Satz nach vorn. Für einen Moment lang weicht die ganze Welt einem einzigen Gefühl: dem von roher Gewalt und alles bezwingender Kraft. Nochmal! Hebel auf N, Hebel auf D - einundzwanzig - Kraftschluss, Erschütterung, Erdbeben.

Und sofort geht es zurück in die Wirklichkeit: Sie ist frisch geteert und soll sechs Meter breit sein. Doch von oben sieht die Straße aus wie ein Fahrradweg. Vor der aufrechten Windschutzscheibe fällt die Haube des Orenstein und Koppel 40 steil nach unten, links findet der Blick ein Geländer, das in etwa den Fahrzeugrand markiert, zur Rechten muss dieser Rand noch einen Meter jenseits der tonnengroßen Luftfilter sein. Zu sehen ist er jedenfalls nicht, und auch auf das Geländer ist kein Verlass. Die Perspektive am Steuer entspricht nicht den Platzverhältnissen vier Meter weiter unten.

Mit dem Wendekreis eines Volvo-Kombis

Immer noch stemmt sich der Fuß fest auf das Bremspedal. Kaum hebt sich der Schuh um Millimeter, schiebt das Biest vorwärts. Aufs Gas? Zaghaft, behutsam, runter mit der Fußspitze, rauf mit der Drehzahl. 1.000 Touren, 1.200, und schon sind sie da, die Vibrationen, schon schwillt es an, das Gedröhne. Mittenrein mahnt Mathias Klein: "Weiter links." Der Fachmann vom Monsterpark Rattelsdorf steht zur Sicherheit in der Tür zum Fahrerhaus und weiß genau, was allen auf den ersten Metern passiert: Sie kommen mit den Dimensionen nicht zurecht, sehen links den Straßenrand nicht und würden nach rechts korrigieren, bis sie, hoppla, in der Böschung stecken.

Weit über den Scheitelpunkt schiebt sich die Front in die erste Kurve, bis die Anweisung kommt: "Jetzt in einem Zug nach rechts einschlagen. Weiter, weiter. Passt", sagt Mathias Klein. Aussehen tut es anders. Als kippe man gleich mit der Stahlschnauze voran in den Graben. Doch es passt tatsächlich. Der Wendekreis ist nicht größer als der eines Volvo-Kombis, und frei von Mühe kurbelt eine Hand das Lenkrad von links nach rechts auf Anschlag, keine Ahnung von mannshohen Reifen und faustgroßen Profilblöcken.

Stahlmulde wiegt rund 10.000 Kilo

Mit einem gefühlten Meter Spiel legt die Automatik bei 1.700 Umdrehungen den zweiten Gang nach. Immer noch könnte ein fitter Jogger auf Halbgas uns überholen. Aber der Jogger hat auch keine 10.000 Kilo schwere Stahlmulde auf dem Buckel. Der schon leicht betagte Laster stemmt sie mit Hilfe seiner fast 400 Liter Hydrauliköl aus dem Kreuz, wenn tief unten zwischen Tür und Sitz an einem Hebel gezogen wird, der aussieht wie die Handbremse eines alten Lada.

Hören wir, angefixt von dieser Gigantomanie, mit einer kleinen Zahl auf? 13.
Bis die Hydraulik mit 190 bar Arbeitsdruck die Mulde beinahe senkrecht nach oben gedreht hat und über 26 Kubikmeter Abraum herausgerauscht sind, vergehen gerade mal: 13 Sekunden.

Autor

Foto

Arturo Rivas

Datum

1. August 2012
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