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Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun? Wir klären über die Problematik auf.

Arktische Temperaturen halten derzeit Europa im Griff. Doch bei Werten von bis zu -25 Grad wird es nicht nur den Menschen kalt, auch die Autos frieren. Besonders deutlich wird dies derzeit bei Fahrzeugen mit Dieselmotor, die immer öfter vor der Kälte kapitulieren. Der ADAC meldet in einer aktuellen Info eine drastisch gestiegene Anzahl von Kälteopfern unter den Dieselfahrern vor allem aus den Wintersportgebieten, doch auch im Flachland haben die Werkstätten derzeit alle Hände voll zu tun, gestrandete Dieselfahrer zu versorgen. Abschleppdienste melden landauf, landab Hochkonjunktur.

Auch uns hat es erwischt. Ein Land Rover Defender, der gerade als Testwagen in der Redaktion weilt, stellte nach einer kalten Nacht den Betrieb weitgehend ein. Sobald er über Leerlaufdrehzahl kam, starb der Motor ab. Diagnose: Sulz-Diesel. Dabei war es noch nicht einmal wirklich extrem kalt – der Defender hatte eine Nacht mit -15 Grad auf einem Freiluft-Parkplatz hinter sich. Des Rätsels Läsung ist der beim Defender besonders exponiert montierte Dieselfilter (siehe Bildergalerie). Doch auch anderen Marken macht die Kälte derzeit schwer zu schaffen.

Dabei ist die derzeitige Kälte kein Jahrhundert-Phänomen, auch in den zurückliegenden Wintern war es stets teilweise bitterkalt. Deshalb wird unter Dieselfahrern derzeit heiß diskutiert, ob die seit 2010 deutlich erhöhte Beimengung von so genanntem Biodiesel zum regulären Dieselkraftstoff ein Auslöser für die in den letzten Tagen enorm gestiegene Pannenhäufigkeit ist. So wird vor allem die erhöhte Hygroskopie des Biodiesels diskutiert – zu Deutsch: der Pflanzensprit nehme mehr Wasser auf, das bei extremer Kälte ausfriert und Leitungen sowie Filter verstopfen könne.

Winterdiesel nur bis -20 Grad frostfest

Der Grund für Start- und Fahrschwierigkeiten von Diesel-Pkw bei extrem niedrigen Temperaturen ist jedoch generell die Versulzung des Kraftstoffs. Zwar ist vom Gesetzgeber in der Zeit vom 16. November bis 29. Februar so genannter "Winterdiesel" vorgeschrieben, der bis minus 20 Grad kältefest sein soll. Doch diese Temperatur kann in Senken oder über schneebedeckten Flächen derzeit oft unterschritten werden. Zudem kann es durchaus auch sein, dass bei einer weniger frequentierten kleinen Tankstelle noch größere Mengen "Übergangs-Diesel" mit lediglich bis zu minus zehn Grad Frostsicherheit in den Erdtanks lagerte. Die Folge sind ausflockende Paraffine, die wie kleine Flöckchen aus Kerzenwachs den Dieselfilter verstopfen und damit die Kraftstoffzufuhr blockieren.
 
Ist der Dieselkraftstoff erst einmal versulzt, gibt es keine "schnelle" Hilfe vor Ort. Das gesamte Kraftstoffsystem muss über den Gefrierpunkt aufgewärmt werden, um die ausgeflockten Bestandteile aufzulösen. Dazu muss der Wagen in einer beheizten Werkstatt oder Garage aufgetaut werden. Außerdem muss eventuell zur Fehlerbeseitigung der Dieselfilter getauscht werden.

Wichtig für moderne Motoren: kein Benzin beimischen!

Besonders bei modernen Dieselmotoren sollte auf keinen Fall der alte "Trucker-Trick" angewandt werden, einen bestimmten Anteil Benzin zuzutanken. Moderne Einspritzanlagen und Hochdruckpumpen reagieren extrem empfindlich auf die herabgesetzte Schmierfähigkeit des Kraftstoffs, sehr teure Schäden sind die Folge.
Bei den momentanen Temperaturen kann es hilfreich sein, ausnahmsweise den teuren Premium-Diesel der Markentankstellen zu tanken, der laut Herstellern bis zu minus 35 Grad kältefest sein soll. Eine Alternative ist die Zugabe von Fließverbesserern beim Tanken. Handelsübliche Fließverbesserer senken die Kältetauglichkeit von Winterdiesel auf Temperaturen von unter -30 Grad. Wichtig ist dabei, dass der Fließverbesserer unmittelbar vor dem Tanken eingefüllt wird. Eine nachträgliche Beimischung bei bereits versulztem Diesel hilft nichts.

Um künftig gegen Ausfälle gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, die vom Hersteller vorgegebenen Wechselintervalle des Kraftstofffilters einzuhalten. Verschmutzte Filter verstopfen schneller mit versulztem Diesel. Auch eine elektrische Filterheizung lässt sich bei nahezu jedem Dieselfahrzeug relativ preisgünstig in der Fachwerkstatt nachrüsten.

Vorbeugen kann man vor allem mit der Auswahl des Stellplatzes. Wer als Laternenparker keine Garage verfügbar hat, sollte zumindest darauf achten, den Wagen windgeschützt und nicht über verschneiten oder vereisten Flächen abzustellen, über denen die Temperaturen nochmals tiefer sein können. Wichtig: Bei den derzeitigen Temperaturen gehört eine wärmende Decke mit ins Auto, um sich bei einem Defekt gegen die Kälte schützen zu können. Denn steht der Motor wegen versulztem Diesel, gibt es auch keine Fahrzeugheizung mehr, bis Hilfe eintrifft. Und das kann bei den derzeitigen Kälte-Chaos-Tagen durchaus einige Stunden dauern.

Jeep Grand Cherokee SRT8 2012 erster Test

Foto

Seibt

Datum

9. Februar 2012
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