Toyota Sequoia im Fahrbericht: Einfamilien-Haus auf Rädern

Toyota Sequoia 2013 Fahrbericht 4wf 0313

Wer den Land Cruiser V8 als riesig empfindet, saß noch nie in einem Toyota Sequoia. Wir waren mit dem Dampfschiff unterwegs.

Es ist wie so oft im Leben: Die Länge entscheidet. Aber nicht doch ... wir sind beim Titel "Toyotas größter Geländewagen". Wer jetzt die Augenbrauen hochziehen und siegessicher "Land Cruiser V8" sagen will, hat anscheinend den Sequoia vergessen. Der XXL-Klotz wurde im Jahr 2000 erstmals vorgestellt und befindet sich derzeit in der zweiten Modellgeneration - also ein Grünschnabel im Vergleich zum Urgestein Land Cruiser.

Bereit zum Aufsitzen?

Vom Pickup Tundra abgeleitet und zwischen 4Runner und dem Land Cruiser eingepreist, wird der Sequoia in Princeton/ Indiana gebaut und in Amerika, Kanada, Mexico und im nahen Osten angeboten. Wer beispielsweise aus einem Tiguan umsteigt, kommt sich im Sequoia wie in einem Bus vor. Auf 5,21 Meter Länge arrangiert Toyota einen 5,7-Liter großen V8 und drei Sitzreihen mit reichlich Luft dazwischen. Aufgrund der beiden serienmäßigen Bänke im Fond finden insgesamt bis zu acht Personen bequem Platz - sogar ganz hinten sitzt es sich besser als gedacht, was an den dicken Polstern liegt. Der Kofferraum fasst bei voller Bestuhlung jedoch nur zwei größere Reisetaschen hochkant. Wird die dritte Reihe nicht gebraucht, faltet sie sich auf Knopfdruck flach in den Fahrzeugboden (1/3 zu 2/3) und es entsteht mehr Raum für Gepäck, die Arbeit übernehmen Elektromotoren. Auch die Heckklappe stemmen solche kleinen Helfer auf Wunsch auf und zu.

Im Cockpit ist wie beim großen Tundra alles hübsch aufgeräumt und logisch angeordnet, und auch hier findet sich ein Schalter für das Öffnen und Schließen der Heckscheibe. Während beim Pickup Tundra noch ein Navi mit mäßiger Grafik informiert, besitzt der Sequoia ein moderneren Wegweiser. Und die bessere Allradtechnik: Neben der Geländeuntersetzung lässt sich hier auch das Zentraldifferential sperren.

Toyota Sequoia – cooler Cruiser

Ruhig erwacht der V8, Lenkrad, Sitz und Spiegel in die optimale Position gebracht, Wahlhebel auf D und schwupps, schon setzt der Sequoia nach vorn. Der Alublock nimmt Gasstöße genau so direkt an wie im Tundra, er hält sich aber über das gesamte Drehzahlband akustisch mehr zurück (bessere Dämmung). Der Punch des rund 540 Newtonmeter Antriebs ist gewaltig und sorgt auf Wunsch für offene Münder. Allerdings sortiert auch hier das Sechsgang-Automatikgetriebe bei Eile etwas zu engagiert die Gänge. Und wenn wir schon beim Mosern sind: Die Lenkung ist für europäischen Geschmack zu leichtgängig und vermittelt kein brauchbares Feedback.

Beim Federungskomfort lässt der große Toyota seinem Fahrer die Wahl zwischen Comfort, Normal und Sport - so heißen die drei Fahrwerksprogramme, einstellbar per Drehschalter im Cockpit. Das softe Dämpferprogramm passt am besten zum Charakter des Dickschiffes.

Es wird Zeit, die geteerten Straßen zu verlassen. Dank seiner Bodenfreiheit und der Sperre kommt der Sequoia gut voran, Motor und Getriebe tragen sogar einen Unterfahrschutz. Warum wir trotzdem nicht glücklich werden? Die 20 Zoll All-Season-Reifen der teuersten Platinum-Ausstattung beenden den kleinen 4x4-Ausflug schon am ersten verschneiten Anstieg. Mit besseren Pneus vermag der Toyota sicher einiges mehr.

Die Käufer scheint das nicht weiter zu stören, jagen sie ihre großen SUV eher selten ins richtige Gelände. Platz, Power, Allrad und hohe Zugkraft zählen - kommt Sicherheit (Abstandsregeltempomat, Tot-Winkel-Warner) und Luxus (Leder, integrierter DVD-Player für Kids) dazu, ist alles in bester Ordnung. Der Spritverbrauch? Laut Hersteller liegt er im Drittelmix bei unter 15 L/100 km. Dann allerdings darf der V8 nur ganz selten fauchen, sonst fließen wie bei unserer Tour durchschnittlich 18 L/100 km Richtung Brennräume.

Der Toyota Sequoia kann auch anders

Wem der Sequoia zu brav erscheint, der wirft einen Blick auf das letzte Bild in unserer Galerie. Es zeigt den "DragQuoia", eine Studie, die auf der Sema 2012 gezeigt wurde. Toyotas größter SUV verwandelt sich dabei in ein extrem zurecht gemachtes 650 PS starkes Monster, das den Viertelmeile-Sprint in unter zehn Sekunden abhakt. Respekt!

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Dani Heyne

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