Mercedes G 500 Station-Wagen, Lang im Test

Dampf im Kessel des Mercedes G 500 Station-Wagen

Der neue Mercedes G 500 leistet fast 100 PS mehr als sein Vorgänger – ein Sportwagen, der eigentlich viel zu schade für die Straße ist.

Während seine Erfinder allmählich das Pensionsalter erreichen, entwickelt sich das G-Modell   immer weiter zu einem absoluten Weltstar. Die komfortable Baureihe 463 kostet heute als G 320 kurz mindestens 70.000 Euro, die auf ihrer neuen Tournee aber beherzter denn je die Bühne rockt.

Nach dem leichten Facelift – erkennbar an den drei Kühlerrippen – kann sich vor allem die neue Benziner-Show sehen lassen. Denn im Vergleich zum vorigen G 500 spendierte Mercedes dem Neuen einen halben Liter mehr Hubraum und 92 zusätzliche PS – durchaus mit Wirkung. Hatte man beim Vorgänger noch den Eindruck, es verpuffe einiges an Energie in permanenter Überanstrengung (Verbrauch im Schnitt bei 20 Liter), mutet der neue G 500 leichtfüßig an wie ein junger Popstar. Was er dabei am besten beherrscht, ist gelassenes, zügiges Fahren. Ob schnell von der Ampel weg oder im Sauseschritt über die Autobahn – der Zweieinhalbtonner wirkt nie aufgeregt, bleibt stets souverän. Dabei begnügt er sich mit vergleichsweise geringen 17,5 Litern. Leider kann die enorme Power des Kurzhubers bei niedrigen Drehzahlen nicht genutzt werden – immer wieder funkt die sensible Siebengangautomatik dazwischen.

Sobald der Gasfuß nur leicht zuckt, entscheidet sie sich fürs Runterschalten und gegen kerniges Tiefton-Geblubber. Das Fahrwerk scheint nochmals einen Tick sanfter abgestimmt zu sein. Kein Hoppeln, kein Stuckern mehr – trotz zweier schwerer Starrachsen und 18-Zoll-Räder. Und die Geräuschdämmung! Sie erinnert an die eines Tonstudios – die Insassen scheinen von der Außenwelt abgeschirmt. Um dem saftigen Sound des 90-Grad-V8 lauschen zu können, muss man schon ein Fenster runterlassen. Schade eigentlich – denn wenn man sich schon Backstage-Tickets für einen solchen Klangkünstler leisten kann (mindestens 93.653 Euro), möchte man ihn doch wohl auch bei jedem Wetter singen hören.

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Markus Schönfeld

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