Honda CR-V 2.2 4WD Lifestyle im Test

Wenig Temperament trifft viel Komfort

Honda CR-V 2.2 4WD Lifestyle, Frontansicht

Sein Urahn gehörte zu den Gründervätern der SUV-Bewegung. Kann die vierte Generation des Honda CR-V Kapital aus der langen Erfahrung schlagen? Wir haben den SUV mit dem dazu ideal passenden Diesel getestet.

Der Trick des Honda CR-V mit dem Rückbank-Mechanismus ist so gut, dass man ihn gleich ein paar Mal hintereinander vorführen möchte: Auf das Kommando eines unscheinbaren Hebelchens im Kofferraum zieht eine Feder zunächst die Sitzfläche nach oben, dann legen sich die Kopfstützen an, bevor schließlich die Lehne einer weiteren Feder gehorcht und nach unten schwenkt. Übrig bleiben der größte Gepäckraum seiner Klasse (1.669 Liter), ein ebener Ladeboden und die Erkenntnis, dass 16 Jahre SUV-Erfahrung nicht schaden können.

Während andere Hersteller stolz die Erstauflagen ihrer Kompakt-Kraxler bauen, erscheint der Honda CR-V bereits in vierter Generation und soll alles ein bisschen besser können als bisher. Tatsächlich wuchs nicht nur der Gepäckraum, auch Passagiere sitzen luftig und freuen sich über bequeme Sessel, die eher durch gemütliche Polster denn Seitenhalt auffallen. Trotz hoher Sitzposition weckt der solide Innenraum Pkw-Gefühle, wozu der kurze Schalthebel ebenso beiträgt wie die problemlose Übersichtlichkeit.

Diesel im Honda CR-V wirkt zahnlos

Beim Bedienen geht der Überblick im Honda CR-V hingegen schnell verloren angesichts vieler Lenkradtasten und eines Drehreglers, der sowohl für die Radiolautstärke als auch das Scrollen in Menüs zuständig ist. Zudem ließ sich die Freisprecheinheit nicht dauerhaft mit dem Testhandy Samsung Galaxy SIII verbinden.

Die Verbindung zur Straße klappt dafür umso besser. So absorbiert die Federung selbst böse Fahrbahnunebenheiten souverän und verkneift sich lästiges Auskeilen bei kurzen Autobahn-Querfugen. Im Zusammenspiel mit dem kultivierten 150-PS-Diesel im Honda CR-V und der wirkungsvollen Geräuschdämmung lassen sich längere Strecken daher entspannt zurücklegen. Trotz seiner üppigen 2,2 Liter Hubraum hat der Common Rail am gut 1,7 Tonnen wiegenden CR-V schwer zu schleppen und wirkt zahnloser, als es seine Papierwerte vermuten lassen. Immerhin liegt der Testverbrauch mit 7,8 L/100 Kilometer im Rahmen. Bei etwas Zurückhaltung lassen sich problemlos Werte um sechs Liter erzielen.

Unmerklich vom Fronttriebler zum Allradler

Überhaupt begreift sich der in England gebaute Honda CR-V als komfortable Alternative zu den deutschen Slalom-Profis à la BMW X3 und Co. Daher dürften ihm die meisten Fahrer wohl verzeihen, dass er nicht ganz so ansatzlos einlenkt, sich in engen Kehren stärker zur Seite neigt und früher über die Vorderachse schiebt als die agilsten Exemplare ihrer Gattung, deren Talente häufig über Komforteinbußen erkauft werden. Zumal sich aus der kommoden Abstimmung keine fahrdynamischen Gemeinheiten ergeben. Im Ernstfall bringt das wache ESP den Allradler rechtzeitig zurück in die Spur, für weitere Sicherheit sorgen kräftig zupackende und standfeste Bremsen.

Apropos Allradantrieb. Der schaltet sich fast unmerklich über eine elektrische Kupplung dazu, sobald die Vorderachse Traktionsverlust meldet. Da die meisten SUV ohnehin nie ins Gelände abbiegen, verschont der Honda CR-V seine Fahrer mit entsprechenden Abenteuer-Schaltern und Offroad-Programmen. 16 Jahre Erfahrung sorgen eben für einen realistischen Blick auf die Welt.

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Dirk Gulde

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